Interviews mit Autoren

Interview mit Henrike Heiland

Liebe ist wohl das wichtigste Gefühl im Leben, …
Liebe Frau Heiland, bisher kenne ich sie nur aus dem Krimi Genre als Zoë Beck und erfahre durch Rici´s Blog nun erstmalig, dass sie hinter dem Namen Henrike Heiland stecken und auch „Frauen-Romane“ schreiben. Schreiben sie beide Genre gleich gerne oder schlägt ihr Herz für ein Genre mehr?

 

Henrike Heiland hat auch drei Krimis geschrieben, und was sie in Zukunft noch so alles treibt, bleibt abzuwarten. 🙂 Ich habe fürs Fernsehen bevorzugt lustige und auch romantische Sachen geschrieben, von daher war es kein absolutes Neuland. Ich liebe vor allem die Abwechslung und bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit habe, mich in verschiedenen Genres auszutoben.

In Ihrem neuesten Roman „Für immer und ledig?“ dreht sich alles ums Heiraten und Brautkleider. Wie darf ich mir ihre Recherche hierzu vorstellen?

Ich habe ganz viele Frauen gefragt, wie und warum (!) sie geheiratet haben, ich habe mir Hochzeitsmagazine und Brautmodenläden angesehen und unzählige Brautkleidmodelle rausgesucht, die meiner Protagonistin gefallen würden. Hier ist ein kleines Filmchen übrigens:

Aber es sollte ja kein Buch darüber werden, wie man die perfekte Hochzeit vorbereitet, es geht vielmehr um Tillys eigene Geschichte, und Tilly muss sich eben fragen: Worum geht’s mir eigentlich gerade wirklich?

Wie finde ich meinen Traummann?

Ich glaube ja immer noch, dass man erst mit sich im Reinen sein muss, bevor das mit der Traumbeziehung klappt. Und dass man immer dann findet, wenn man gar nicht sucht. Aber das ist wahrscheinlich bei jedem/jeder anders … 

Kann man eigentlich einen Umweg um die Liebe machen? Dann könnte man logischerweise auch nicht auf Traummann oder Traumfrau hereinfallen. 

Liebe ist wohl das wichtigste Gefühl im Leben, und wie bei allen Gefühlen ist die Bandbreite sehr groß. Deshalb weiß ich nicht, ob es so gut ist, der Sache aus dem Weg zu gehen, es ist so wichtig zu lieben: den Regen auf dem Dachfenster, die alten Bäume drüben im Park, die kuschelige Katze, den Bruder, die Tante, den einen ganz besonderen Menschen … Akzeptieren muss man aber auch, dass sich die Liebe immer ändern wird im Laufe des Lebens. Und dass das nicht immer nur schlimm sein muss. Man kennt es ja von sich selbst und anderen, das man oft an der falschen Stelle nach Liebe sucht. Oder auf die falsche Art. Ich kenne viele Leute, die unzufrieden mit sich und ihrem Leben sind, und statt anzufangen, etwas zu ändern, warten sie darauf, dass jemand ganz Tolles vorbeikommt, und alles wird gut. Wie im Märchen. Funktioniert so aber nicht. Leider ist man für sein Glück meistens ganz allein zuständig.

Wie entstehen Ihre Buchtitel? Haben Sie dabei Mitspracherecht? 

Ich schlage Titel vor, der Verlag schlägt Titel vor, dann berät man sich, stimmt ab usw. Verlage behalten sich meist das Recht vor, über Titel und Cover in letzter Instanz zu entscheiden. Die Lektorate sprechen sich mit den anderen Abteilungen im Haus ab, präsentieren Cover und Titel bei Sitzungen, beraten darüber … Ich sag immer: Die verkaufen schon viel länger und viel mehr Bücher als ich, die machen das schon. 🙂 

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Geschichten? Aus dem Leben gegriffen, oder frei erfunden? Oder vermischt sich sogar beides? Wie viel Autobiografisches enthalten Ihre Romane? 

Es ist natürlich immer etwas von einem selbst drin. Das können Dinge sein, die man an anderen beobachtet hat, das kann etwas aus dem eigenen Alltag sein. Manchmal liest man etwas in der Zeitung und denkt sich: Hey, was steckt da wohl dahinter. Die Geschichten selbst sind bei mir aber immer frei erfunden. So etwas wie der „Traummann“ ist natürlich inspiriert von hunderten Erzählungen von Freundinnen und Freunden, denen es so ähnlich ging: die große Liebe, man zieht zusammen, alles ist furchtbar, man will es sich nicht eingestehen … Ich kenne aber keine Frau, der genau das passiert ist, was Charlotte durchlebt. Tillys Geschichte liegt ein klassischer Konflikt vieler Liebesgeschichten zugrunde. In beiden Romanen ist es mir aber wichtig zu zeigen, dass Frauen sehr viel erreichen können, wenn sie zu sich selbst stehen, und nicht irgendwelchen Träumen nachhängen, die ihnen offensichtlich gar nicht gut tun und die auch gar nicht zu ihrem Leben passen.

Was ist einfacher bzw. komplizierter zu schreiben, einen Roman aus der Ich-Perspektive oder einen „normal erzählten“ Roman?

Also. Die Ich-Perspektive lässt sich hübsch am Stück runterschreiben, und man muss sich nur in eine Figur und ihre Sprache reindenken, die personale Erzählsituation bietet hingegen viel mehr Möglichkeiten, dem Leser die Geschichte zu präsentieren. Ich mag beides gerne, und auch hier ist es wieder die Abwechslung, die mich reizt. Vor allem ist es wichtig, von Anfang an die richtige Perspektive zu finden. Ich habe schon mal 100 Seiten weggeworfen, weil ich völlig falsch eingestiegen bin.

Wie lange wurde an dem ersten Buch gearbeitet, von dem ersten Satz bis zum Erscheinen beim Verlag. Zudem wäre es wichtig zu wissen, ob zu der Zeit ein Vollzeitjob wahrgenommen worden ist. Letzteres nur, weil ich neben der Arbeit auch versuche eine Geschichte zu schreiben und gar nicht so oft die Zeit finde.

Ich glaube, das waren ungefähr anderthalb Jahre, wenn man Exposé und alles mitrechnet, bis der Roman in den Satz kam, dann noch eine Weile, bis er im Laden stand. Zwischendurch gab es sehr viel Leerlauf. In der Zeit arbeitete ich Vollzeit bei einer Fernsehproduktionsfirma, änderte dann aber meinen Vertrag, um frei von zu Hause aus arbeiten und die Zeit besser einteilen zu können. Seitdem arbeite ich komplett freiberuflich. Mit festen Büroarbeitszeiten stell ich mir das schwierig vor, das braucht viel Disziplin und Geduld. Ich kenne aber sehr viele, die das schaffen. 

Welche unterschiedlichen Anforderungen stellen Roman und Drehbuch an eine Autorin? Gehen Sie anders vor, wenn Sie einen Roman schreiben oder stimmt die Vorgehensweise, der Schreibstil bzw. die gesamte Entwicklung überein wenn man Roman- und Drehbuchschreiben vergleicht?

Was gleich ist, ist die Ausgangssituation, also der Arbeitsbeginn. Die erste Frage lautet ja immer: Welche Geschichte will ich erzählen? Das Exposé auszuarbeiten ist bei mir recht ähnlich: Ich schreibe den Plot auf, ich mache ein character sheet, usw. Beim Roman habe ich allerdings mehr Freiheiten, was die Umsetzung angeht. Beim Drehbuch muss ich drauf achten, ob die Dinge in der Produktion umsetzbar bzw. finanzierbar sind, wenn es eine Serie ist, müssen bestimmte Figuren/Schauspieler bedient werden, es muss zum Serienkonzept passen, die Länge muss stimmen … Es muss auf viel mehr geachtet werden, was aber auch eine gute handwerkliche Übung ist, wenn man gesagt bekommt: Soundso viele Schauplätze, soundso viele Haupt- und Nebenfiguren, auf keinen Fall Dingenskirchen, das ist zu teuer, dafür muss aber der Lieblingsitaliener von der Senderredakteurin vorkommen, und jetzt mach mal ne Geschichte. Aber ohne XY, das hatten wir nämlich schon drei Mal in dieser Staffel. Ach, und dasunddas muss auch noch rein.
Beim Roman ist man da künstlerisch sehr viel freier. Dass es trotzdem noch eine Menge Handwerk braucht, darf man dabei aber nicht vergessen.

Was war es für ein Gefühl mal ein Buch ohne Mord und Gewalt zu schreiben?

Man denkt: Hoffentlich wartet keiner auf die Leiche. Und dann liest man Leserkritiken, in denen steht: „Da ist ja gar keiner gestorben, so ein Scheiß.“ 🙂

Warum haben Sie Krimiromane unter ihrem richtigen Namen und unter einem Pseudonym geschrieben? Ich kenne es bisher so, dass es Genre abhängig ist (z.B. Nora Roberts und dann mit ihrer in Death Serie als J.D. Robb), aber hier ging es ja beide Male um Krimis.

Erst kam ein thematischer und stilistischer Wechsel innerhalb des Krimigenres. Weg vom Regionalen. Beck macht etwas ganz anderes als Heiland, wer das eine mag, will nicht unbedingt das andere lesen. Und für die Orientierung – und auch für mich – fand ich den Namenswechsel sehr wichtig. Vielleicht kennen Sie Ruth Rendell, sie schreibt auch Krimis als Barbara Vine, die einfach anders sind als ihre Rendell-Bücher. Als es dann um die Komödien ging, fand es der Verlag gut, sie unter Heiland rauszubringen, weil da die Unterscheidung allein schon durch Cover und Titel gegeben ist.

Aus welchem Grund schreibt man überhaupt noch unter einem Pseudonym?

Der Großteil der Leser recherchiert nicht im Internet, wer hinter einem Namen steckt, und orientiert sich in der Buchhandlung an ganz anderen Sachen. Wenn dann ein Richtungswechsel mit einem Namenswechsel einhergeht, finde ich das logisch, man spricht ja andere Zielgruppen an. Außerdem gibt es so viele geschlossene Pseudonyme, sie würden sich wundern, ha!

Wie ist das Pseudonym Zoë Beck entstanden?

Ich war krank, ich wusste nicht, wie es weitergeht, ich wollte einen Namen, der Mut macht. Zoë heißt Leben. Beck ist kurz, leicht zu merken und unkompliziert. Ich fand auch den Zusammenklang gut.

Mich würde interessieren, ob es einen bestimmten Ort gibt, an dem Sie besonders gern schreiben und Ihnen die besten Ideen kommen? 

Nein, das ist ganz unterschiedlich. Ich schreibe, wo mein Laptop hinpasst und ich gut sitzen kann. Und für Ideen muss man raus, manchmal weit weg, manchmal nur um die Ecke. Da bin ich wohl etwas unstet.  

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, mit einer total geheimen „Buch-Reise-Maschine“ in eines Ihrer Bücher zu reisen und Ihre Schauplätze, Figuren und Geschichten mitzuerleben – Welches Buch würden Sie dazu auswählen und warum (Frauenroman oder Krimi?)?

Das ist gemein. Immer will einen jemand zwingen zu sagen, welches das Lieblingsbuch ist 🙂 Und ich sage: Immer das, an dem man gerade schreibt. Und das ist gerade gaaanz geheim. Jawoll.  

Wie lange schreiben Sie schon? Und seit wann verkaufen Sie Ihre Bücher? Wie hoch ist die Gesamtauflage der Bücher von Henrike Heiland? 

Wie lange schreibe ich für Geld? Seit ich 14 bin, da fing ich an, für die „Junge Seite“ der Regionalzeitung Plattenkritiken zu schreiben. Fiktion? Seit den Creative Writing-Kursen an der Uni, das war allerdings auf Englisch. Ins Drehbuchschreiben habe ich mich dann durch meinen Lektorats- und Producerjob vor gut 10 Jahren reingearbeitet, und das mit den Büchern kam dann recht überraschend 2004, da fing ich mit der Konzeption der Rostock-Reihe an. Das erste Buch erschien 2006, und die Gesamtauflage weiß ich nicht, ist aber im unteren sechsstelligen Bereich. 

Was lesen Sie selbst gerne und welcher ist ihr liebster Ort dazu? 

Ich schreibe ja auch immer mal Buchbesprechungen (Focus Online, culturmag.de), da kann man vielleicht dran sehen, was ich gerne lese und was nicht so. In der Mehrzahl sind es gerade Krimis, das muss ich zugeben. 🙂
Mein liebster Ort zum Lesen? Ich hatte mal einen Professor, der sagte: Wer Literatur studiert, langweilt sich nie, der hat immer ein Buch dabei. Und das stimmt. Ich lese immer überall, und ich lese immer gerne. 

Was dürfen wir als nächstes Buch erwarten? Können sie etwas zum Inhalt verraten? 

Das nächste Buch, in dem eine Heiland-Geschichte drin ist, erscheint im April und heißt „Die Mütter-Mafia und Friends: Das Imperium schlägt zurück“, herausgegeben von Kerstin Gier bei Bastei Lübbe. Da geht es um eine junge Mutter, die von ihrem Mann mit einem Berg Schulden sitzengelassen wurde und regelmäßig den Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen hat, bis … Na, das lesen Sie ja dann. Der nächste Beck erscheint im August und heißt „Der frühe Tod“ (Bastei Lübbe). Schauplatz Schottland, eine Frau stolpert über eine Leiche, dummerweise ist es ihr Exmann. Gleichzeitig begehen in Edinburgh auffällig viele Jugendliche aus sozial schwachen Familien Selbstmord, und ein Journalist nimmt sich der Sache an.

Bitte vervollständign Sie diesen Satz: Schreiben ist für mich

großartig.

Das ist schön zu lesen, liebe Henrike. Ich wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute!
Die Interviewfragen stammen u. a. aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten“
 

 

Die Bücher aus der Verlosung gehen in den nächsten Tagen an
Franziska C.
Claudia H.
Dominique J.
Cornelia Sch.
Simone Sch.
Regina S.
Herzlichen Glückwunsch!

Autorenfoto (c) Andreas Biesenbach