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Charlotte Thomas – Das Erbe der Braumeisterin


Köln, 1260. Die eigensinnige junge Madlen betreibt mit großer Begeisterung die vom Vater geerbte Brauerei. Seit früher Jugend hat sie alles gelernt, was es über das Bierbrauen zu wissen gibt. Nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes steht jedoch ihre Zukunft auf dem Spiel: Als Witwe darf Madlen nach den Regeln der Zunft die Brauerei nur für ein Jahr allein weiterführen, danach droht ihr der Verlust des Braurechts und damit ihres ganzen Lebensinhalts – es sei denn, sie verheiratet sich wieder. Der ehemalige Kreuzritter Johann scheint kein allzu passender Kandidat zu sein, denn er hat eine dunkle Vergangenheit und hasst Bier. Aber Madlen kann nicht wählerisch sein….

(Kurzbeschreibung laut www.amazon.de)

 

Wer die historischen Romane von Charlotte Thomas bereits kennt, weiß, dass die Autorin eine große Vorliebe für Venedig pflegt. Daher ist es umso überraschender, dass „Das Erbe der Braumeisterin“ ins mittelalterliche Köln entführt.
Das Buch handelt in erster Linie von dem Kampf der jungen Madlen, ihre Brauerei behalten zu dürfen. Dazu sieht sie sich gezwungen erneut zu heiraten, auch wenn ihr Herz immer noch an ihrem ermordeten Mann hängt. Ihre Wahl fällt auf den Ritter Johann, den sie mehr tot als lebendig zum Traualtar schleppt. Schon bald erkennt Madlen, dass ihre Entscheidung für Johann keineswegs fatal war, sondern für ihre Zukunft von großer Bedeutung sein könnte.

Aber gefährliche Widersacher stehen ihnen trotzdem im Weg und so muss Madlen bald nicht nur um ihr Leben fürchten.

Charlotte Thomas lässt alles in dieses Buch einfließen, was ein kurzweiliges Lesevergnügen ausmacht: Dramatik, Humor, Liebe und Spannung auf hohem Niveau. Ihre Sprache ist gewohnt plastisch und bildhaft und etliche Szenen hatte ich beim Lesen buchstäblich vor Augen.
Besonders schön fand ich die Beschreibungen des mittelalterlichen Kölns, denn wenn Madlen die Schildergasse entlang läuft kann man ihr nachempfinden wohin ihr Weg sie führt.

Die Figuren sind nicht weniger facettenreich beschrieben. Es gibt sympathische und eher unangenehme Zeitgenossen, aber allesamt sind sie anschaulich und in ihrem Handeln nachvollziehbar beschrieben.
Die tragischste Rolle spielt hierbei Jacop. Warum ich das so empfinde, kann sicherlich jeder nach dem Lesen nachempfinden. Ich würde bei näherer Beschreibung zu viel von der Handlung vorweg nehmen.

 

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass man ganz nebenbei allerhand Wissenswertes über das Bierbrauen erfährt.

Fazit: „Das Erbe der Braumeisterin“ ist ein abwechslungsreicher historischer Roman, der nicht nur durch die Liebesgeschichte überzeugt, sondern ganz besonders durch das historische Ambiente, niveauvolle Spannung und seine Hauptfiguren!
© Ricarda Ohligschläger