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Deana Zinßmeister – Der Hexenschwur

Ich habe schon seit einer gefühlten Ewigkeit keinen historischen Roman mehr gelesen und möchte euch heute einen Empfehlen, der bei mir so eingeschlagen hat, dass ich ihn an einem Tag verschlungen habe.

Kurzbeschreibung laut amazon:

„Im Jahr 1635 erreicht der Dreißigjährige Krieg das Land an der Saar. Der gebürtige Thüringer Johann will mit seiner Frau Franziska und den gemeinsamen Kindern Magdalena und Benjamin quer durchs Reich aufs Eichsfeld fliehen – in ihre alte Heimat, die sie vor siebzehn Jahren verlassen mussten, da Franziska der Hexerei bezichtigt wurde. Auf ihrer Reise müssen sie die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfahren, doch dann gewährt ein schwedischer Tross ihnen Schutz. Besonders ein junger Arzt setzt sich für die Familie ein, und die 17-jährige Magdalena fühlt sich bald zu ihm hingezogen. Arne gehört zwar feindlichen Truppen an – aber er ist auch der Einzige, der ihr helfen kann, ein dunkles Geheimnis ans Licht zu bringen …“

Der Hexenschwur“ ist die Fortsetzung der Erfolgsreihe „“Das Hexenmal“ und „Der Hexenturm“ der Autorin Deana Zinßmeister. Bisher war mir die Autorin fast unbekannt. Ich muss gestehen, dass ich mir sicher bin/war bereits Bücher von ihr gelesen zu haben, doch fand ich in meinem eigenen „Archiv“ dazu leider keinen Hinweis. Nach der heutigen Lektüre werde ich diese Lücke aber ganz schnell füllen.

Im Oktober 1634 beschließt Johann Bonner mit seiner Familie den bisherigen Wohnort Wellingen zu verlassen, da der Krieg immer näher rückt und er Frau und Kinder vor dem Grauen des Krieges schützen möchte.  17 Jahre zuvor hat Johann  seine Heimat verlassen müssen. Franziska war als Hexe beschuldigt und von ihrem Vater verfolgt worden. („Das Hexenmal„)

Ich habe mittlerweile ein bisschen recherchiert worum es in den beiden Vorgängerbänden geht und kann daher mit Gewissheit sagen, dass man auch ohne diese Vorkenntnisse dieses Buch genießen kann. Deana Zinßmeister gibt Rückblicke, erläutert Zusammenhänge und erklärt bisher Geschehenes in verständlicher Form.

Die Familie trifft bei ihrer Reise in die alte Heimat auf sogenannte Soldateska, Söldner die vor Vergewaltigung und Mord nicht zurückschrecken. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass zwei Schweden ihnen zu Hilfe kommen.

Einer der beiden ist der 25jährige Arne, der sich binnen kurzer Zeit in die blonde Magdalena verliebt…

Der andere Handlungsstrang erzählt die tragische Geschichte eines sogenannten Wechselbalgs und ich hatte mehrfach Gänsehaut beim Lesen, weil mir das Schicksal des kleinen Jungen so nahe ging!

Karoline und ihr Mann Jodokus hatten sich so sehr ein Kind gewünscht und waren über die Geburt ihres Sohnes Michael glücklich und stolz. Doch vor fünf Jahren haben Dämonen ihren kleinen Sonnenschein zu sich geholt und ihnen stattdessen einen hässlichen Balg mit leeren Blick und verkümmerten Gliedmaßen hinterlassen. Seitdem lebte das hässliche Geschöpf in ihrem Keller ohne menschliche Liebe und Nähe.

Beide Handlungsstränge werden nach und nach verbunden und ergeben ein schlüssiges Finale, welches keine Fragen offen lässt.

Soweit zur Handlung des historischen Romans, der 45 Kapitel und neben Nachwort, Danksagung und Bibliographie 416 Seiten umfasst.

Deana Zinßmeisters Schreibstil ist flüssig zu lesen und was ich besonders lobenswert finde ist die Tatsache, dass sie sich nicht an endlosen Beschreibungen des Krieges aufhält. Selbstverständlich fließt der 30jährige Krieg zwar in ihre Handlung mit ein, aber eben nur in kurzer und knapper Form, um dem ganzen einen Rahmen zu bieten und die Situation des Volkes näherzubringen, welches von Hunger und Not gepeinigt war. So schildert sie die Hungersnot in einer besonders erschütternden Szene, in der ein Junge das Fleisch seiner toten Schwester über dem Feuer grillt!

Gekonnt lässt sie reale und fiktive Personen miteinander agieren und erzeugt somit ein Bild vor dem inneren Auge, welches Glauben macht an ihrem Leben teilzunehmen. Lebendig und facettenreich, mit Ecken und Kanten beschreibt Deana Zinßmeister ihre Figuren. Die glaubwürdigen Personen erwecken Sympathie, Mitleid und manchmal auch rote Wangen, wie im Falle von Magdalena.

Mich hat die Autorin tief in eine längst vergangene Zeit eintauchen lassen und ich wünschte mir an manchen Stellen, dass die Geschichte nie zu Ende geht.

Ich empfehle „Der Hexenschwur“ allen, die einen historischen Roman suchen, der Abwechslung, Spannung und Neugier auf mehr macht. Die Autorin beschreibt selbst in ihrer Danksagung, dass sie nach dem Motto:  „Liebe, Hiebe, Triebe“ an der Geschichte gefeilt hat. Bei mir hat sie damit punktgenau ins Schwarze getroffen.

Chapeau!, Deana Zinßmeister, das war einer der besten historischen Romane, die ich je gelesen habe.
© Ricarda Ohligschläger