Interviews mit Autoren

Interview mit Katelyn Faith

amberBei diesem Genre erwartet man ja „freizügige“ Autorinnen. Doch: Was ist Ihre „spießigste“ Eigenschaft, die sie haben?

Ich bin erzkonservativ. Ja, wirklich. Ich komme mit Veränderungen nicht gut klar und habe das Leben am liebsten, wenn alles seinen geregelten Gang nimmt. Überraschungen mag ich daher auch nicht besonders gern. Wenn mich das jetzt nicht zum Oberspießer macht, weiß ich auch nicht! Ansonsten lebe ich aber normalerweise nach der Prämisse: Ist der Ruf erst mal ruiniert …

Welches (bekannte) Buch hätten Sie am liebsten selbst geschrieben und aus welchen Gründen (wegen der originellen Idee, weil es ein Bestseller wurde,…)? 

Ich schreibe eigentlich immer das Buch, das ich selbst gern lesen würde. Allerdings würde ich mir wünschen, jemals in meinem Leben so ein Buch wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ schreiben zu können, weil es mein absolutes Lieblingsbuch ist und ich es zum größten Teil heulend gelesen habe. Bei solchen Büchern trifft mich dann die Ehrfurcht vor dem Talent des Autors wie ein Donnerschlag und ich brauche einige Zeit, um aus diesem Ehrfurchtsloch herauszukrabbeln. Ich liebe an diesem Buch natürlich die Geschichte, aber auch die Sprache und die Sensibilität, mit der John Green das schwierige Thema mit Humor und Tiefgang verknüpft. Eine absolute Meisterleistung in meinen Augen.

Männer und Frauen spielen ja in ihrem Buch zwangsläufig eine große Rolle. Welcher Meinung schließen sie sich (eher) an – „Gleich und gleich gesellt sich gerne“ oder „Gegensätze ziehen sich an“, oder entscheiden Sie sich für sowohl als auch?

Sowohl als auch. Für die vordergründige, eher erotische Anziehungskraft finde ich Gegensätze prickelnder und spannender. Für eine langfristige, stabile Beziehung kommt man aber um Gemeinsamkeiten nicht herum. Da wären zu viele Gegensätze auf Dauer viel zu anstrengend. Wie man diese beiden Dinge in einer ernsthaften Paarbeziehung also kombiniert? Ich denke, mit einer gesunden Mischung. Auch zu zweit sollte jeder noch er/sie selbst bleiben und Freiräume außerhalb der Partnerschaft pflegen, damit man für den anderen spannend und interessant bleibt. Das richtige Verhältnis zwischen gemeinsam und einsam macht für mich eine gute Beziehung aus, und dazu gehört wohl, dass man sowohl Gemeinsamkeiten als auch Gegensätzlichkeiten hat. Die grundsätzliche Lebenseinstellung sollte jedoch in wichtigen Punkten übereinstimmen. Wenn einer von Familie und Kindern träumt, der andere jedoch von Freiheit und Selbsterfüllung, wird das selten gutgehen. Jedenfalls nicht auf lange Sicht.

Mit welchen drei Worten würden sie Ihren Traummann beschreiben? Und was würde sie bei einem Mann total abtörnen?

Intelligent, humorvoll, sensibel. Okay, schön und reich wäre auch nett, ist aber kein Muss – jedenfalls nicht im echten Leben … Absolute Abtörner sind für mich Intoleranz und Ungepflegtheit. Müffelnde Männer mag ich nicht an mich heranlassen.

Was macht Ihre Bücher besonders, sodass ich eines von Ihnen aus der Buchhandlung mitnehmen sollte??

Meine LeserInnen sagen mir nach, dass ich Bilder in ihnen erzeuge, die das eigene Kopfkino anregen, ohne zu viele Details vorwegzunehmen. Gerade bei erotischen Romanen finde ich es manchmal schwierig, den richtigen Ton zu treffen. Verrät man zu viel, läuft man auch Gefahr, den Leser abzutörnen. Verrät man zu wenig, reicht es vielleicht nicht aus, um die Fantasie des Lesers anzukurbeln. Ganz ähnlich wie bei Horrorgeschichten – der schlimmste Horror steckt in uns selbst, weil Ängste sehr individuell verschieden sind. Ebenso stecken die erotischsten Fantasien in unseren eigenen Köpfen. Erotik ist sehr subjektiv; was der eine sexy findet, langweilt einen anderen und stößt einen Dritten sogar ab. Daher ist es manchmal eine Gratwanderung, das rechte Maß zu finden, die mir hoffentlich mit jedem Buch besser gelingt. Darüber hinaus habe ich besonders in „Fesselnde Liebe“ versucht, „Tiefgang“ in eine erotische Liebesgeschichte zu bringen, weil ich mir beim Lesen anderer Bücher aus dem Genre das dauernd gewünscht habe. Bisher haben die Leserinnen das zum Glück auch sehr gut angenommen, was mich riesig freut!

Mich würde interessieren was Sie vom Bestseller „Shades of Grey“ halten. Inwiefern unterscheiden sich ihre Romane von denen von E.L James? Haben sie evtl. sogar eine kritische Meinung zu der Trilogie?  

Ich habe von Shades of Grey ehrlicherweise nur den ersten Teil gelesen, und der hat mich prima unterhalten! Für Teil 2 und 3 hat meine Begeisterung dann leider nicht mehr gereicht, weil meiner Meinung nach die Geschichte mit Teil 1 eigentlich ausreichend erzählt war. Meine Romane unterscheidet von Shades of Grey sicherlich vor allem, dass meine Figuren und Begebenheiten nicht ganz so märchenhaft sind. Natürlich sind es Fantasien und meistens zu schön, um wahr zu sein, aber ich versuche trotzdem, meinen Figuren ein gutes Maß an Realismus einzuhauchen und hoffe, dass mir das gelingt.

Ich wohne derzeit in Australien und habe festgestellt, dass es hier ein großes Netzwerk und auch immer wieder Ausschreibungen, ja sogar Konferenzen für „Romance Writers“ gibt. Selbst renommierte Schriftstellerinnen teilen ihre Erfahrungen mit Interessierten in Workshops und sind somit „greifbar“. Ich bin eine Einsteigerin, mit großer Leidenschaft für dieses Genre und wollte gerne wissen, ob es so ein Netzwerk (auch für aufstrebende Autorinnen) im deutschsprachigen Raum gibt?

Ja, es gibt solche Netzwerke auch in Deutschland, allerdings bin ich kein Teil davon. Die „Gefährliche Verlockung“ war mein erster Versuch in diesem Genre und ehrlicherweise habe ich mich bis dahin nicht wirklich mit dem Genre Liebesroman beschäftigt. Die bekannteste Vereinigung in Deutschland ist sicherlich das DeLiA-Netzwerk, die größte mir bekannte Veranstaltung für Liebesroman-AutorInnen und LeserInnen ist die LoveLetter Convention in Berlin, die einmal jährlich stattfindet. Und natürlich sollte man als interessierte AutorIn (oder LeserIn) das LoveLetter-Magazin lesen, denn darin erfährt man alles über neue Bücher, Trends und AutorInnen.

Wie kommen Sie auf den Namen Katelyn Faith? Was bedeutet der Name und was steckt dahinter???

Ich schreibe seit gut drei Jahren und benutze seitdem fleißig Pseudonyme. Einige davon gehören dem jeweiligen Verlag, bei dem sie  veröffentlicht wurden, andere sind meine eigenen. Da ich sehr unterschiedliche Stilrichtungen veröffentlicht habe, um mich auszuprobieren und „meinen Stil“ zu finden, und die „Gefährliche Verlockung“ mein erster Ausflug in das Genre Liebesroman war, brauchte ich dazu einen gut klingenden Namen. Einen, dem man Romantik und Happy End zutraut. So ist der Name ziemlich zufällig entstanden, als ich in den Spiegel schaute. Faith stand nämlich in großen glitzernden Buchstaben auf meinem Shirt, und die Katelyn kam mir dazu augenblicklich in den Sinn. Wie von selbst. Der Name begleitete mich ein paar Tage und ich fand ihn nach wie vor schön, also ist es dabei geblieben. Meinen „echten“ Namen möchte ich mir für Veröffentlichungen in anderen Genres aufheben, da ich vorhabe, irgendwann einmal einen Krimi bzw. Thriller zu schreiben. Und dazu passt der definitiv besser als zum erotischen Liebesroman …

Die Frage haben Sie sicher schon sehr oft gehört. Aber ich möchte gerne wissen, wie man auf die Idee kommt, so ein Buch zu schreiben? Sind es eigene Erfahrungen oder gesammelte Dinge, oder Sehnsucht nach etwas neuem?

Ich bin schon seit vielen Jahren tief in der Erotikbranche verwurzelt; unter anderem betreibe ich seit 1999 eine Internetseite zum Thema und seit 2006 eine anspruchsvolle Erotikboutique. Daher war es irgendwie eine logische Konsequenz, dass mein allererster Roman ein Erotikroman wurde. Das ist jetzt drei Jahre her, aber dem Thema bin ich bisher treu geblieben. Erotik ist im Gegensatz zur Meinung vieler Menschen sehr schwierig zu schreiben, und es hat sich für mich als ein perfektes Übungsfeld erwiesen. In kaum einem anderen Genre kommt es so sehr auf die feinen Nuancen an, auf Gefühle, auf Details … Eigene Erfahrungen spielen in jede Geschichte mit rein, ohne geht es für mich auch nicht. Seitdem ich schreibe, sauge ich alles in meiner Umgebung auf wie ein Schwamm – Menschen, Gespräche, Mimik und Gestik, kuriose Begebenheiten, kleine Alltagsdinge und große, weltumwälzende Veränderungen … alles. Welche Kleinigkeiten in meinen Büchern nun erlebt sind und was erfunden ist, behalte ich aber für mich! *grins*

Zu welchen Mitteln greifen Sie, um immer wieder neue und andersartige Sexszenen oder erotische Momente schreiben zu können? 

Ich versuche beim Schreiben, neue Bilder zu schaffen, neue Vergleiche zu finden, mit Worten zu spielen. Denn das ist für mich der eigentliche Reiz beim Schreiben. Ich möchte beim Leser Emotionen wecken und suche daher ständig nach den für mich besten Formulierungen, die dann natürlich auch zum jeweiligen Charakter passen müssen. Die „Gefährliche Verlockung“ zum Beispiel kommt im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Büchern dieses Genres fast ohne „schmutzige Wörter“ aus. Das war nicht immer einfach zu schreiben, aber ich persönlich finde die meisten deutschen Worte und Bezeichnungen für z.B. Körperteile einfach wenig erotisch. So habe ich versucht, die Erotik eher durch die Beschreibung von Bewegungen, Berührungen und Sinneseindrücken zu vermitteln als durch das detaillierte Beschreiben davon, wer nun gerade welchen Körperteil in welchen steckt … Ansonsten bediene ich mich als Besitzerin einer hochwertigen Erotikboutique natürlich an einem schier unendlichen Fundus von Fantasien, Geschichten und erotischen Accessoires und Spielzeugen. Mein Geschäft ist definitiv die beste Inspiration, die ich mir wünschen kann!

Liebe Katelyn, ich bedanke mich für dieses sehr aufschlussreiche Interview!

Die Bücher aus der Verlosung gingen bereits an
Sandy Mätzig
Bettina Rieder
Kristina Quoos

Herzlichen Glückwunsch!

Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”